Brudertalkapelle

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uf die erste urkundliche Erwähnung der Brudertalkapelle stoßen wir im Jahr 1490. ( Pfarrer Heizmann datiert den Bau, anhand bruchstückhaft gefundener Ziffern auf das Jahr 1024) Die Reliquie des „ heiligen Schweißtuches", die im Kloster Schuttern verwahrt wurde, wird der Wallfahrtskapelle im Brudertal übertragen. Die Kapelle nannte man von diesem Zeitpunkt an „ Zum Schweißtuch Christi". Es ist anzunehmen, dass zahlreiche Wallfahrer zum jährlichen „Blutfest" ins Brudertal pilgerten. Der große Vorbau der Kapelle und die zahlreichen Sitzbänke im Freien, weisen auf größere Versammlungen hin. Die Kapelle wurde in der Folgezeit wiederholt ausgebaut. Zum Kirchlein kam ein Bruderhaus, in dem dann Mönche aus Schuttern lebten. Sie betrieben eine kleine Landwirtschaft und konnten sich so selbst ernähren. Auch wird erzählt, dass an diesem Platz im Wald ein Einsiedler seinen Wohnsitz hatte, der, wenn man der Sage Glauben schenken kann, jeden Sonn- und Feiertag auf dem Brudertalpfad zur sonntäglichen Frühmesse nach Schuttern wanderte.A
ls im Jahre 1525 das Kloster von Friesenheimer Bauern gestürmt wurde, flüchteten auch einige Mönche ins abgelegene Brudertal. Ob sie da sicher waren ist nicht bekannt. Man war jedenfalls zuerst mal aus der Schusslinie. Nach der Reformation verlor die Brudertalkapelle immer mehr an Bedeutung. Die zum Kloster gehörenden Pfarreien wurden mit protestantischen Pfarrern besetzt.D
as Kirchlein im Brudertal dürfte dann den 30-jährigen Krieg nicht überstanden haben. Nach dem Ende des Krieges (1648) wurde es wieder aufgebaut und der „Schmerzhaften Muttergottes" geweiht. Die Wallfahrt kam wieder zu voller Blüte. Die Betreuung übernahm erneut das Kloster in Schuttern. Doch diese Blütezeit war dann mit Beginn der Säkularisation ( 1806 ) vorbei. Die Muttergottes-Statue wurde weggeschafft. Sie fand Platz im alten Speicher des Schulhauses. Zwei Bauern aus Mühlenbach kauften später die Statue und brachten sie in die Kirche ihres Heimatortes. Dort steht sie heute noch.D
ie Brudertalkapelle verfiel nun immer mehr. Die Steine des Kirchleins fanden im Schuttertal als billiges Baumaterial Verwendung. Erst 1887 wurde die Brudertalkapelle abermals aufgebaut. Die Kosten hat Josef Himmelsbach übernommen, ein Tabakfabrikant aus Oberweier.B
ei der Kapelle entspringt auch, wie an solchen Orten üblich, eine Quelle. Der Sage nach soll sie als heilbringend bei Augenleiden gelten.Z
urzeit erlebt die Wallfahrtskapelle eine Renaissance. In vielen Pfarrgemeinden der Umgebung pilgern mehrmals jährlich die Gläubigen ins Brudertal und finden dort die Ruhe, die sie in der heutigen, hektischen Zeit suchen.H
ans Mieth aus Schuttern hat in mühevoller Kleinarbeit die Brudertalkapelle maßstabgetreu ( 1:6 ) nachgebaut. Mit seinem Engagement und seiner Schaffenskraft möchte er dazu beitragen, dass solche Stätten der Ruhe und Besinnung in der fast 1000-jährigen Geschichte des Brudertals, nicht in Vergessenheit geraten.
Quelle: Friesenheim – Bilddokumentation von Ekkehard Klem - Geheimnisvolle Plätze in der Ortenau: von G. Schmidt-Abels